[Kommentar] Hardwired: Verführt - Meredith Wild

Heute gibt es mal eine etwas andere Art von Rezension von mir, nämlich eine kommentierte Fassung von Hardwired, welches ich heute zu Ende gelesen habe und das mich schrecklich wütend gemacht hat. Es war ein typisches Buch für das Genre würde ich mal behaupten, zumindest wenn man sich so die Verkaufsschlager anguckt - ich weiß, es gibt auch immer ein paar Ausnahmen und Schätze, aber dieses Werk gehört für mich definitiv nicht dazu. Stattdessen erachte ich es eher für diskussionswürdig und das kann ich nicht machen ohne zu spoilern. 

Deshalb hier die Warnung für alle die das Buch noch nicht gelesen habe und nicht wissen wollen, worum es geht: ICH WERDE QUASI DAS GANZE BUCH SPOILERN! 

Soviel dazu. Los geht's! 
(Ich entschuldige mich schonmal im Vorfeld für die Länge des Posts...)

Infos.

Autor/in: Meredith Wild 
Seiten: 352
Sprache: Deutsch
Originaltitel: Hardwired 
Reihe: 1 von 5
Wertung: 2 Sterne 

Worum geht's?

Erica Hathaway hat gerade ihren Collegeabschluss in der Tasche und will jetzt groß mit ihrer eigenen Firma - einem sozialen Netzwerk für Mode - durchstarten. Dafür braucht sie allerdings Investoren und als sich ihr die Chance auftut bei Angelcom ihre Firma vorzustellen, hat sie vor alle mit ihrer Vorstellung vom Hocker zu hauen - allerdings macht Blake Landon ihr einen Strich durch die Rechnung, denn er bringt sie mit seinem guten Aussehen und seinen hinterhältigen Fragen gehörig aus der Fassung. Obwohl Erica ihn am liebsten nie wieder sehen würde, kommt sie nicht umhin festzustellen, dass sie sich zu ihm hingezogen fühlt und dass er ihr dauernd "zufällig" über den Weg läuft macht es auch nicht besser. Dabei sollte sie in Anbetracht ihrer eigenen Vergangenheit und seines Verhaltens wirklich die Finger von ihm lassen. 

Meine Meinung. 

Puh, ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Wahrscheinlich mit den Dingen die mir an dem Buch gefallen haben. Das wären:
1. Der Schreibstil. Ich weiß natürlich nicht wie das im Original aussieht, aber ich fand die deutsche Übersetzung ließ sich ganz gut lesen, ohne, dass es allzu viele Momente gegeben hätte, in denen ich aufgrund der Wortwahl oder Art zu schreiben die Nase rümpfen musste. (Also es gab solche Momente durchaus, aber sie hielten sich in Grenzen, von daher...)
2. ... fällt mir nichts mehr ein. 

Also beginnen wir mit ein paar Zitaten, die ich kommentiert in den Raum werfe und die die Probleme aufzeigen werden, die ich mit dem Buch hatte. 
Bei den Seitenzahlen beziehe ich mich übrigens auf die Seiten, die mein Kindle mir anzeigt. 

Dieser Ansturm der widersprüchlichsten Gefühle für eine einzelne Person innerhalb derart kurzer Zeit ließ mich ernsthaft an meiner geistigen Gesundheit zweifeln. (S. 19)

Wir sind  in Kapitel 2. Erica ist Blake genau zweimal begegnet. Das eine Mal hat sie ihn fast umgerannt und sich dann hilflos an ihn geklammert, das andere Mal war sie der Meinung, dass er ihr unangemessene Fragen gestellt hätte und ihre Präsentation ruiniert hätte - was ehrlich nicht der Fall war, ich meine, er muss sie ja wohl ein bisschen testen, bevor er Geld in ihre  Firma investieren würde, oder nicht? Vollkommen logisches Verhalten, aber nein, Erica fühlte sich persönlich angegriffen, betitelt ihn aber trotzdem als heiß, findet aber, dass er Frauen auf geschäftlicher Ebene keinerlei Respekt entgegenbringt (vgl. S. 20). Wie bitte? Okay, ich bin kein Fan von Blake, aber trotzdem: unnötiges Drama ihrerseits, hätte nicht sein müssen.

...zu seinem Pech war ich nicht wie die meisten Frauen. (S. 24)

Okay, unsere Protagonistin ist also eine ganz besondere Schneeflocke. (Spoiler: Ist sie nicht.) Und ich habe bis zum Ende des Buches immer noch keine Ahnung, was er eigentlich an ihr findet. Das wird nämlich nicht einmal thematisiert.

Aber wer konnte zu ihm schon Nein sagen? (S. 37)

Ist doch ganz einfach: NEIN.
Siehst du, Erica? Ist gar nicht schwer. Wenn du nicht willst, dass er sich auf dein Zimmer einlädt, dann sagst du diese vier Buchstaben und die Sache ist gegessen. Aber nein, stattdessen wird noch seitenlang mit sich gehadert, weil er ja so unwiderstehlich ist, sie aber eigentlich findet, dass er sie ungerecht behandelt. ENTSCHEIDE DICH VERDAMMT NOCHMAL.
Wie man vielleicht merkt, gingen Ericas andauernde Stimmungsschwankungen mir schon nach 13 % des Buches auf die Eierstöcke.

Schon wieder fasste er mich an, als würde ich ihm gehören. (S. 39)

Zwei Seiten weiter. Blake hört nicht auf sich Erica aufzudrängen, was verdammt nochmal unmöglich ist, denn sie hat ein paar Zeilen vorher noch Nein gesagt - auch, wenn sie es nicht so gemeint hat. Aber das weiß er doch nicht! Für ihn hat sie verdammt nochmal nein gesagt! Blakes Verhalten? Geht gar nicht.

»Kommt nicht in Frage.« [...] »Das sehe ich anders.« (S. 47)

Ich präsentiere: Blake. Der Ericas Meinung vollkommen übergeht. Wieder einmal. Ist er nicht sympathisch, wie er sie so vollkommen unterjocht?

»Gott sei Dank. Ich wüsste nicht, ob ich jetzt noch aufhören könnte, selbst wenn ich wollte.« (S. 63)

Kontext: Erica ist Blakes überragender Sexyness total ausgeliefert und lässt sich von ihm ins Bett zerren. Was mich an der Stelle so stört? Er würde nicht einmal aufhören wenn er wollte. Was, wenn sie plötzlich ihre Meinung ändert? Würde er nicht aufhören? Sympathisch.

Sein Körper war weich und entspannt, so ganz anders als das muskelbepackte Tier, das mich vor nicht allzu langer Zeit um den Verstand gebracht hatte. (S. 66)

Kein Kommentar.  Eine der Kopf-Schüttel-Formulierungen, die wie oben gesagt Gott sei Dank nicht allzu häufig vorkamen.

Er bedeutete mir jetzt schon zu viel. (S. 68)

Ich erinnere daran, dass Erica Blake genau drei Mal getroffen hat, wenn man die einzelnen Treffen in Las Vegas nicht dazu zählt. Die ganze Zeit fand sie ihn zwar wahnsinnig anziehend, hat ihn aber auch für ein Arschloch gehalten. Wie zur Hölle kann er ihr also nach achtundsechzig Seiten schon "zu viel bedeuten"?

Er legte auf, bevor ich widersprechen konnte. (S. 73)

Blake wie er leibt und lebt. Ignoriert das was sie will mal wieder vollkommen.

»Zweimal das Irish Breakfast und zwei Guiness«, antwortete Blake, gab ihr die Speisekarte zurück und wandte sich sofort mir zu.
»Bestellst du immer für andere mit?«(S. 76)

Und hier haben wir Erica, die sich einfach von ihm herumschubsen lässt. Wow, so eine starke Protagonistin!
Ich meine, offensichtlich ist ihr ja aufgefallen, dass ihr das nicht gefällt, aber tut sie etwas dagegen? Natürlich nicht.

»Mach's gut, Blake.« (S. 80)

Können wir uns denken, wann er wieder auftaucht? Jap. Auf S. 85:
»Du siehst wütend aus. Was kann ich tun?«

Erica ist auf Wohnungssuche und engagiert Blakes Schwester (die danach nie wieder vorkommt, nicht einmal mehr erwähnt wird). Drei Mal dürft ihr raten wo Erica einzieht.
Bingo! In der Wohnung unter Blake. Der gar nicht versteht, wieso sie sich so darüber aufregt. Ist ja auch eine vollkommen irrationale Reaktion, nachdem sie ihm fünf Seiten vorher gesagt hat "Mach's gut".

... dass Blake ein Kontrollfreak war. (S. 108)

Gut, immerhin fällt ihr das auf. Man sollte meinen Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Nicht so Erica!

Er würde wissen, dass jemand mich missbraucht hatte und dass ich es in meiner dämlichen jugendlichen Naivität hatte geschehen lassen. (S. 126)

Ja, kommen wir dazu. Eine der Sachen, die mich an der Geschichte am allermeisten gestört hat. Erica ist in ihrem ersten College-Jahr vergewaltigt worden, weiß aber nicht wer der Täter ist und hat ihm demnach auch nicht angezeigt. (Erica lernt in diesem Buch auch ihren Vater erst kennen, da ihre Mutter ihr nie verraten hat wer er ist und drei Mal dürft ihr raten wer ihr Vergewaltiger ist. Genau, sein Stiefsohn. Überraschung!) Natürlich erzählt sie Blake davon, der damit wie ich fand gut umgegangen ist, aber das ist es auch gar nicht, was mich so wahnsinnig stört.

Ich frage mich einfach, wie sie nach sowas sich auf Blake einlassen kann, der versucht sie von vorne bis hinten zu kontrollieren, der sich ihr am Anfang regelrecht aufgedrängt hat. Der ihr nein nicht akzeptiert. Für mich vollkommen unverständlich.

»Braves Mädchen«, sagte er in samtigem, raubtierhaftem Tonfall. (S. 137) 
1. Zwischen ihrem Geständnis, dass sie vergewaltigt worden ist und diesem Zitat liegen elf Seiten in denen die beiden nichts anderes gemacht haben als zu vögeln - hätte man sich sparen können, ehrlich.
2. Was haben New-Adult-Autoren immer mit ihren Raubtieren.

... die Tatsache, dass die beiden eine gemeinsame Vergangenheit hatten, war ein Schock für mich. (S. 156)

Nachdem Blake ohne ihre Erlaubnis herausfindet wer sie damals vergewaltigt hat, flüchtet Erica vollkommen überstürzt nach New York und ist sauer auf ihn. Gut, da sie nicht wollte, dass er danach sucht, ist ihre Reaktion eventuell nachvollziehbar, aber... ach nein, eigentlich auch nicht. Zumindest ist sie etwa übertrieben. Zumal sie in NY dann auf eine von Blakes Ex-Freundinnen trifft und sich von dieser vollkommen eingeschüchtert fühlt, obwohl sein Bruder ihr versichert, dass zwischen den beiden nichts mehr läuft. Was dachte sie denn? Dass er bevor sie auf der Bildfläche aufgetaucht ist als Mönch gelebt hat?

»... Hätte ich gewusst, dass du das hier ohne mich in der Öffentlichkeit getragen hast, hätte ich dich bestrafen müssen.« (S. 163)

Was ich gesagt hätte: Hast du sie noch alle? Dich erst tagelang nicht melden und jetzt auch noch so tun, als dürftest du über mein Outfit bestimmen? Geht's noch?
Was Erica stattdessen fragt: Es gefällt dir also?
Gott... schmeiß Hirn und Rückgrat vom Himmel.

»Wenn Alli sich entschließt, bei ihm zu bleiben, dann ist das ihre Entscheidung, du hältst dich von ihnen fern.« (S. 184)

CHAUVINISTISCHES ARSCHLOCH!!
Hallo? Er kann ihr ja wohl nicht verbieten ihre beste Freundin zu sehen, nur, weil sein Bruder ein Drogenproblem hat!

Ich begegnete seinem Blick. Er meinte es ernst, aber ich hatte so eine Ahnung, dass ich diese Schlacht für mich entscheiden konnte. (S. 203) 

Uuuund Erica ist nicht besser als Blake. Hat keiner von den beiden je etwas davon gehört, dass man die Meinung des anderen auch einfach respektieren kann?

Auf seiner Miene stand Schock, doch er zögerte nur eine Sekunde, bevor er mir die Hand in den Nacken legte und grob die Lippen auf meine presste. Ich ballte die Fäuste. Nein. Er würde mich nicht weichklopfen. Diesmal nicht. Das würde ich nicht zulassen. (S. 236)

Spoiler: Genau das passiert. Und jemanden mitten im Streit mit einem Kuss zum Schweigen zu bringen ist alles andere als romantisch. Ich weiß echt nicht, wieso das in Büchern so oft vorkommt.


So, und jetzt noch einmal zusammengefasst, was mich an dem Buch gestört hat:

1. Erica hat die schlimmsten Stimmungsschwankungen EVER. Wirklich. In einem Moment findet sie Blake ist ein Arschloch, dann findet sie ihn wahnsinnig sexy und würde ihm am liebsten die Klamotten vom Leib reißen, dann ist er wieder ein Arsch... und so weiter und sofort. Die Autorin hat verzweifelt versucht eine starke Protagonistin zu schaffen, die sich nicht einfach so von dem heißen Milliardär um den Finger wickeln lässt, aber das ist ihr mit Erica leider nur so mittelmäßig gelungen.

2. Blake ist quasi die Definition von Kontrollfreak. Der Kerl ist verdammt aufdringlich und kann kein Nein akzeptieren und daran ist nichts anziehend. Nichts! Auch, wenn Erica das anders sieht.

3. Alle Probleme die die beiden haben werden mit Sex gelöst. Wenn das nicht das Fundament für eine gesunde Beziehung ist, weiß ich auch nicht.

4. Es ist für mich absolut unverständlich, wie Erica sich auf Blake einlassen kann, der sie so behandelt wie er sie nun einmal behandelt, nach dem was ihr passiert ist. Müssten nicht alle Alarmglocken schrillen, wenn jemand dein Nein nicht hören will und sich dir regelrecht aufdrängt?

5. Jeder gottverdammte Kerl steht auf sie. Was zur Hölle ist so toll an dieser Frau?

6. Das Ende war irgendwie kein richtiges Ende. Es fühlte sich viel mehr an wie ein Cliffhanger am Ende eines Kapitels als nach dem Ende eines Buches und ich war echt überrascht, als ich die letzte Seite umgeschlagen hatte. (Zumal das Buch aufgrund einer Leseprobe auf dem Kindle bei 93% oder so endet, ich hatte echt erwartet, dass da noch mehr kommt.)

Und wisst ihr, was das allerschlimmste ist?
Ich bin angefixt. Ich will wissen wie es weitergeht! Ich habe so große Problem mit den Charakteren und trotzdem will ich wissen wie es weitergeht. Das ist doch bescheuert...

Aber genug von mir, ich habe jetzt in aller Ausführlichkeit all das rausgelassen, was sich beim Lesen bei mir angestaut hat und würde jetzt gerne wissen, ob es nur mir so ging oder ob ihr auch solche Probleme mit dem Buch hattet, sofern ihr es denn gelesen habt?

Kommentare

  1. Ach nein! Das war jetzt gerade der amüsanteste Post den ich seit langem gelesen habe!
    Ich habe das Buch bisher nicht gelesen, was schlicht und ergreifend daran liegt, dass mich der Klappentext schon total aufgeregt und genervt hat! Ich hatte da so eine Ahnung, dass es so sein könnte, wie du in deinem Post geschrieben hast.
    Jetzt nach deinem Post ziehe ich vergleiche zu "Royal Passion" und "After Passion" die ich beide gelesen und mich in etwa so aufgeregt haben, wie das bei dir und "Hardwired Verführt" war. Falls du die noch nicht gelesen hast, tu das also besser nicht!
    Zusammenfassend bin ich jetzt echt erleichtert, dass ich das Buch nicht gelesen habe und wünsche dir aber noch viel "Spaß" mit den Folgebänden!
    Übrigens ist das eine super Idee mit dem Bücher kommentieren! Solltest du öfter machen!
    Liebst
    Fire

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    1. Ich hatte von dem Buch auch nicht wirklich viel erwartet, aber es war echt noch schlimmer, als ich erwartet hatte. Royal Passion und After Passion habe ich beide gelesen und besonders letzteres steht auf meiner Liste von Büchern die ich gerne aus dem Fenster geworfen hätte ganz ganz oben. Allerdings kommt der zweite Band von Hardwired ziemlich dahinter, der war tatsächlich noch schlimmer als der erste...
      Das freut mich, dass dir das Format gefallen hat, wobei ich glaube, dass das wirklich nur mit Büchern funktioniert, die einen sehr aufregen, aber ich habe durchaus Lust sowas in der Art nochmal zu machen :D

      Liebe Grüße,
      Katharina

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