[Rezension] Wen der Rabe ruft - Maggie Stiefvater

Infos.

Autor/in: Maggie Stiefvater
Seiten: 496
Sprache: Deutsch
Originaltitel: The Raven Boys
Reihe: 1 von 4
Wertung: 5 Sterne

Klappentext.

Jedes Jahr im April empfängt Blue die Seelen derer, die bald sterben werden, auf dem verwitterten Kirchhof außerhalb ihrer Stadt. Bisher konnte sie sie nur spüren, nie sehen bis in diesem Jahr plötzlich der Geist eines Jungen aus dem Dunkel auftaucht.
Sein Name lautet Gansey, und dass Blue ihn sieht, bedeutet, dass sie der Grund für seinen nahen Tod sein wird.
Doch Blue trägt ein Geheimnis in sich: Seit sie sich erinnern kann, lebt sie mit der Weissagung, dass sie ihre wahre Liebe durch einen Kuss töten wird. Ist damit etwa Gansey gemeint?


Meine Meinung.

Meine Erwartungen an "Wen der Rabe ruft" waren ziemlich hoch und ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob ich so positiv überrascht bin, wie ich gerne wäre...

Der Schreibstil war wie immer unvergleichlich und sofort konnte man sich wirklich gut in Blues Welt einfinden. Durch all die detailgetreuen Beschreibungen die dabei so real und nie überladen wirken, kann man das Buch kaum aus der Hand legen, auch wenn die Handlung gerade zu Anfang etwas vor sich hinplätschert. Wie auch bei den anderen Büchern die ich von Maggie Stiefvater bis jetzt gelesen habe, wurde aus mehreren Sichten erzählt, was mich gerade zu Anfang sehr verwirrt hat. Zudem kommt nämlich noch hinzu, dass dieses Buch nicht aus der Ich-Perspektive sondern aus der Er/Sie/Es-Perspektive erzählt wird und da brauchte man bei jedem Kapitel wieder ein bisschen Zeit um zu merken, wer gerade überhaupt erzählt.
Die Personen aus deren Sicht erzählt wird sind im Wesentlichen nur Blue, Gansey und Adam. Ab und an wird auch ein Kapitel aus der Sicht von Lateinlehrer Whelk eingeschoben, aber das eher selten.
Später wurde das mit den unterschiedlichen Erzählperspektiven etwas übersichtlicher, indem die Protagonisten anfingen Sachen gemeinsam zu machen. Bis es zu diesem Punkt kam ging die Handlung allerdings schleppend voran, da man zwar ziemlich viele Informationen geliefert bekommt, mit denen man zu dem Zeitpunkt noch nicht ganz so viel anfangen kann. Trotzdem kann ich sagen, dass "Wen der Rabe ruft" es irgendwie geschafft hat ab etwa der Hälfte des Buches unglaublich spannend zu werden und im Allgemeinen das spannendste Buch von Maggie Stiefvater ist. Zudem ist mir auch wieder einmal positiv aufgefallen, dass ich bis jetzt noch kein vergleichbares Buch mit einem ähnlichen Thema gelesen habe, sondern dass Maggie Stiefvater es irgendwie jedes Mal aufs neue schafft so fantastisch über etwas zu schreiben, von dem man bis dahin überhaupt keine Ahnung hatte.

Die Charaktere fand ich ebenfalls wie jedes Mal aufs neue wirklich realistisch und schön dargestellt. Gerade Blue gefiel mir mit ihrem ungewöhnlichen Namen und dem noch ungewöhnlicheren Zuhause wirklich gut und sie ist irgendwie einfach ein liebenswerter Charakter, der es echt drauf hat. Mit dieser Weissagung, dass sie ihre wahre Liebe durch einen Kuss töten wird, kann sie einem echt leidtun. Und wo ich gerade bei dem Kuss bin, möchte ich noch bemängeln, dass mir die Liebesgeschichte in diesem Buch etwas zu kurz kam. Gerade wegen dieser Kuss-Sache, hatte ich irgendwie gehofft, dass das Ganze etwas dramatischer und herzzereißender wird, als es denn wirklich war. Außerdem verschweigt der Klappentext ganz schön was, was den Jungen angeht, in den Blue sich verliebt. Zumindest in diesem ersten Band ist es so, dass Blue eher Gefühle für Adam entwickelt, als für Gansey. Grundsätzlich finde ich das nicht schlimm, nur wurde Adam mir gegen Ende des Buches immer mehr ziemlich unsympathisch und am Schluss (den ich im Übrigen als sehr verwirrend empfand) konnte ich ihn eigentlich nicht mehr wirklich leiden, obwohl er am Anfang des Buches neben Blue zu meinen Lieblingscharakteren gehörte.
Gansey (oder auch Dick Gansey III) gehörte dafür gerade am Schluss zu meinen Lieblingen in diesem Buch, weil man erst nach und nach wirklich merkt wie viel wirklich in ihm steckt und wie toll er eigentlich wirklich ist. Zuerst habe ich ihn wirklich für diesen total reichen Jungen gehalten, der ziemlich arrogant ist und so weiter. Mit der Zeit änderte sich aber meine Einstellung zu ihm, was wohl unter anderem auch daran lag, dass Blues Einstellung zu ihm sich ändert.
Ronan und Noah die auch noch zu der Gruppe der "Raven Boys" gehören sind zwar beides gerade am Anfang eher Nebencharaktere, aber beide spielen wirklich eine interessante Rolle und ich bin gespannt, wie es im nächsten Band mit ihnen weitergeht. Gerade nach dem letzten Satz in "Wen der Rabe ruft" kann ich es kaum erwarten, den nächsten Band in den Händen zu halten, auch wenn das wohl leider noch etwas dauern wird...

Was mir dieses Mal auch aufgefallen ist, ist, dass das Buch und das Cover nicht so herausragend wunderschön waren, wie man es sonst vom script5-Verlag gewohnt ist. Das Cover passt mit den Bäumen zwar sehr wohl, nur das Innere des Buches ist nicht so schön gestaltet wie sonst, was ich etwas schade finde. Allerdings wurde der Titel sehr gut gewählt, denn "Wen der Rabe ruft" passt in mehreren Punkten wirklich gut zum Inhal.

Alles in allem ist "Wen der Rabe ruft" aber ein wirklich gutes Buch mit tollen Charakteren und einem interessanten Thema. Die Handlung lässt etwas zu wünschen übrig, aber ansonsten bin ich wirklich begeistert und total gespannt wie es weitergeht :)

Keine Kommentare